Neurogene Blase

Was ist das?

Eine neurogene Blase bezeichnet eine Störung der Harnblasenfunktion, die infolge einer Schädigung des Nervensystems entsteht. („nervenbedingte Blasenstörung“). Dabei ist Steuerung der Harnblasenentleerung, medizinisch Miktion genannt, beeinträchtigt.

Der Muskel in der Harnblasenwand, der für die Entleerung der Harnblase verantwortlich ist, wird medizinisch Detrusor genannt und über das Nervensystem gesteuert. Eine Schädigung oder Verletzung der Nervenbahnen kann dazu führen, dass der Detrusor zu stark oder zu schwach arbeitet (Welche Formen der neurogenen Blase gibt es?).

Harn und Urin bezeichnen ein und dasselbe: Eine von den Nieren produzierte Flüssigkeit, die über die Harnblase und Harnröhre ausgeschieden wird.

Was sind die Ursachen?

Es gibt verschiedene Arten von Schädigungen des zentralen Nervensystems, die zu Problemen mit der Harnblase führen können.1-3 Zu den häufigsten Ursachen gehören:

Erkrankungen der Nerven (neurologische Erkrankungen) wie:

Welche Formen der neurogenen Blase gibt es?

Je nachdem, welche Nerven von der Schädigung/Verletzung betroffen sind, werden zwei grundlegende Formen der neurogenen Blase unterschieden:1-3

Schwache (schlaffe) Blase

Die Nervenimpulse zum Blasenmuskel (Detrusor) sind nur schwach oder fehlen ganz, sodass sich die Blase gar nicht mehr oder nur schwach zusammenziehen kann. Dadurch entleert sich die Blase nicht vollständig. Die schlaffe Blase entsteht oft bei einer Erkrankung der peripheren Nerven (periphere Polyneuropathie), also allen Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark, und einem Bandscheibenvorfall.

Überaktive (spastische) Blase

Die Nervenimpulse zum Blasenmuskel (Detrusor) sind stark und unkoordiniert, so dass sich die Blase zu früh und/oder zu oft und krampfartig (spastisch) zusammenzieht, obwohl sie noch nicht voll ist. Die überaktive Blase entsteht oft bei einer Parkinson-Erkrankung, Multipler Sklerose (MS) und Demenz sowie nach einem Schlaganfall.
Auch Mischformen können auftreten.

Was ist die neurogene Detrusor-Überaktivität (NDO)?

Wenn die überaktive (spastische) Blase durch eine Schädigung oder Verletzung der Nerven aufgetreten ist, spricht man von einer neurogenen Detrusor-Überaktivität.1-3 Im Englischen wird diese Störung „Neurogenic Detrusor Overactivity“ genannt, und auch im deutschen Sprachgebrauch verwendet man die Abkürzung NDO.

Was sind die Symptome?

Je nach Form der neurogenen Blase können die folgenden Symptome auftreten:1-3

Schwache (schlaffe Blase)

  • Schwacher Harnstrahl

  • Seltenes Wasserlassen

  • Gefühl, die Blase wird nicht richtig leer (Gefühl von Restharn)

  • Harnwegsinfekte aufgrund der unvollständigen Blasenentleerung

Überaktive (spastische) Blase

Neurogene Detrusor-Überaktivität (NDO)

  • Häufiges Wasserlassen (Pollakisurie)

  • Unkontrollierter Harnverlust (Inkontinenz)

  • Häufiger, starker Harndrang mit unkontrolliertem Harnverlust (Drang-Inkontinenz)

  • Nächtliches Wasserlassen (Nykturie)

  • Gefühl, die Blase wird nicht richtig leer (Gefühl von Restharn)

  • Harnwegsinfekte aufgrund der unvollständigen Blasenentleerung

Wie wird diagnostiziert?

Um die genaue Ursache der neurogenen Blase herauszufinden und die dafür passende Therapie auszuwählen, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

Wie wird behandelt?

Die Ausprägungen einer neurogenen Blasenstörung sind so individuell wie Sie selbst. Deshalb sind unterschiedliche Therapien möglich bzw. erforderlich, die Sie mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin zusammen besprechen sollten, um für Sie persönlich die passende Kombination zu finden.

Das Ziel aller Therapien ist:

  • Schutz der Harnblase und der Nieren

  • Weniger unkontrollierter Harnverlust

  • Und damit eine Verbesserung der Lebensqualität

Referenzen

1 Kutzenberger J et al. Kurzfassung der S2k-Leitlinie medikamentöse Therapie der neurogenen Dysfunktion des unteren Harntraktes (NLUTD). Urologie 2023; 62: 41–52
2 van Ophoven A. Diagnose und Therapie neurogener Blasenfunktionsstörungen. CME-Verlag 2024; 1-16
3 EAU Guidelines on Neuro-Urology. Edn. presented at the EAU Annual Congress Madrid 2025. ISBN 978-94-92671-29-2